Geschichte Kirche Wynau
Wynau liegt an der äussersten Nordostecke des Oberaargaus und grenzt an den Kanton Aargau. Die Gemeinde umfasst neben dem Dorf auch die Ortsteile Aegerten, Obermurgenthal und Oberwynau. In diesem nördlichen Ortsteil befindet sich die Kirche. Sie liegt landschaftlich schön am Fuss einer sanft gegen Norden geneigten Hangflanke über dem Ufer der Aare, welche über etwa vier Kilometer nördlich das Gemeindegebiet eingrenzt.
Die Kirche Wynau dürfte eine Eigenkirche der Herren von Bechburg oder deren Vorgänger gewesen sein. Die Bechburger hatten ihren Stammsitz in der Gegend von Wolfwil. Auf das hohe Alter der Kirche, deutet ihr Patrozinium: Sie war dem Heiligen Mauritius, dem bevorzugten Heiligen des hochburgundischen Königshauses geweiht. In einer Urkunde aus dem Jahre 1201, in der Wynau als „Wimenowe“ erstmals archivalisch fassbar wird, werden Konrad und Rudolf von Bechburg als Vögte der Wynauer Kirche genannt.
In die Nachfolge der Bechburger trat die jüngere Linie der Falkensteiner. Diese tauschten 1274 ihre Rechte an der Wynauer Kirche gegen die Rechte St. Urbans an der Waldkirch-Kapelle in Niederbipp. Im Laufe des 13./14.Jahrhunderts traten die Bechburger, bzw. Falkensteiner auch weitere Rechte im Gebiet Wynau/Roggwil durch Verkäufe dem Kloster ab. 1324 wird die Kirche Wynau zusammen mit der Kirche Niederbipp dem übrigen Besitz des Klosters St.Urban incorporiert. In der Folge setzte St.Urban in Wynau den Pfarrer ein und besoldete diesen auch.
Im Laufe des 14.Jahrhunderts gab Wynau –offenbar wegen dem hohen Alter der Kirche, aber auch wegen der Bedeutung St. Urbans dem ganzen Kirchengebiet den Namen. Es hiess fortan Dekanat Wynau und umfasste damals alle oberaargauer Kirchgemeinden im Einzugsgebiet der Roth, der Oenz und der Langete. St. Urban behielt bis 1577/79 in Wynau (wie auch in Madiswil) den Kirchensatz, d.h. das Recht die Wynauer Kirchengüter zu nutzen und den Pfarrer einzusetzen- allerdings musste letzteres seit der Reformation auf den Vorschlag von Bern geschehen.
 
Hinweise auf die Geschichte der in ihrer Grundsubstanz fast 900-jährigen Kirche geben verschiedene Baubefunde. Kern des Baues bildet das aus dem 11./12. Jahrhundert stammende Mittelschiff, zu dem eine 1912 entdeckte Apsis gehörte. Aufgrund des verwendeten Baumaterials (Backsteine aus St.Urban) lässt sich der Anbau der beiden Seitenschiffe datieren (1270/80). Die Apsis wurde in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts durch den heutigen polygonen Chor ersetzt. Weiter wurde das Schiff durch den Einbau von 5 Fenstern erhellt. Bereits im 14.Jahrhundert wurden die Wände mit einer zyklischen Bilderfolge in zwei Registern übereinander bemalt. Die bilderfeindliche Reformationsbewegung liess diese verschwinden.
 
Ein gründliche Erneuerung der Kirche erfolgte nach der Reformation, als Bern auch den Kirchensatz übernommen hatte. 1605/06 sanierte der Staat das Chordach und die Gemeinde baute das Schiff um, erneuerte den Dachstuhl und versah die Kirche mit dem heutigen Dachreiter. Möglicherweise wurden in dieser Bauphase auf dem Dach der Seitenschiffe auch die Lukarnenfenster erstellt.
Den Taufstein schuf der Wynauer Steinhauer Heinrich Andres 1737. Die Kanzel entstand um 1800 und ersetzte eine frühere, von der noch der Schalldeckel (datiert 1740) stammt.
Die erste Orgel nach der Reformation erklang 1854, bereits 1874 wurde diese durch eine neue Orgel von Friedrich Goll ersetzt. Dieser baute 1910 auch die dritte Orgel ein. 1964 wurde das Instrument durch eine Orgel aus der Werkstatt Wälti ersetzt.
Auf Initiative des „Künstlerpfarrers“ Paul Kuhn erfolgte 1912 eine umfassende Kircheninnenrestauration. Besondere Beachtung schenkte man dabei der farblichen Gestaltung der mittelalterlichen Fresken, die unter dem Putz wieder zum Vorschein kamen – ebenso dem dekorativen Rahmen, welcher im 17. Jahrhundert zur Ueberdeckung der figürlichen Malerei angebracht wurde.
 
Erst einige Jahre später (1919/20) anerbot sich Kunstmaler Paul Zehnder die leeren Flecken figürlich auszumalen. Er wollte die neue Malerei mit der alten harmonisieren. Bald zeigte sich, dass dies nicht möglich war. Es entwickelte sich in der Folge der „Wynauer Kunststreit“. Zahlreiche Experten bemühten sich um den Nachweis des Wertes der alten Fresken und setzten sich für deren Erhaltung ein. Die Bundesbehörden unterstützten die einheitliche figürliche Ausgestaltung durch Zehnder. Diese setzten sich durch und Zehnder malte darauf seinen Bilderzyklus mit der rot – bräunlichen Farbe.
1922/ erhielt die Kirche die drei Glasfenster im Chor von Leo Steck (Geburt, Kreuzigung, Auferstehung). 1938 wurde die Konstruktion des Turmes und das Geläute (die beiden Glocken goss Rüetschi in Aarau) erneuert. 1979 erfolgte eine umfassende Aussenrestauration, geleitet vom Archtekturbüro Negri und Waldmann aus Langenthal.

aktualisiert am 14. Feb 2011 16:03 von Winzeler Franz
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